Das kreative Potenzial in Teams und bei Mitarbeitern heben
In fast jedem Unternehmen gibt es eine Ideenbox, ein Element aus dem klassischen KVP, ein paar Brainstormings im Jahr und einen kleinen Kreis, der sich – manchmal auf nur für das "schlechte Gewissen" – um Innovation kümmert. In fast jedem Unternehmen bleibt dabei das meiste liegen: Das Wissen und die Ideen der Kollegen aus Vertrieb, Produktion, Service oder Verwaltung kommen nie dort an, wo über Neues entschieden wird. Als Innovationsmanager können Sie das ändern. Der Schlüssel heißt kollektive Intelligenz. Ein praktischer Weg dahin heißt Co-Creation.
Was ist Kollektive Intelligenz?
Sie kennen vielleicht den Begriff Schwarmintelligenz? Gemeint ist das Gleiche: Eine Gruppe erbringt im Zusammenspiel geistige Leistungen, die ein Einzelner nicht schaffen würde, etwa beim Lösen von Problemen, beim Entscheiden oder beim Entwickeln von neuem Wissen.
Dazu reicht es nicht, kluge Köpfe in einen Raum zu setzen. Drei Bedingungen müssen erfüllt sein:
- Emergenz: Am Ende steht etwas, das vorher niemand allein im Kopf hatte. Das Ergebnis ist mehr als die Summe der Einzelbeiträge.
- Dezentrales Denken und Handeln: Jeder darf mitdenken, ohne dass eine zentrale Stelle alles lenkt. Zu viel Steuerung bremst und macht fehleranfällig.
- Vielfalt: Je unterschiedlicher die Perspektiven, Erfahrungen und Wissensstände, desto besser lassen sich komplexe Probleme lösen. Gleichdenkende Gruppen drehen sich dagegen schnell im Kreis.
Wie wirkt Kollektive Intelligenz im Unternehmen?
Für das Innovationsmanagement ist kollektive Intelligenz kein Methodenbaustein, sondern ein Nährboden. Sie begünstigt die Entwicklung von Teams, ein gutes Wissensmanagement und eine Fehler- und Feedbackkultur, also genau die Dinge, von denen eine Innovationskultur lebt. Sichtbar wird das an ein paar Anzeichen:
- Die Kollegen haben Freude am Tun, übernehmen Verantwortung und wollen lernen.
- Neue Ideen werden wohlwollend aufgenommen, auch die, die zunächst abwegig klingen.
- Kritik wird als Beitrag verstanden und nicht als Angriff.
Dazu kommt ein praktischer Effekt: Wer seine Idee einbringen durfte, will, dass sie funktioniert. Die Umsetzung hat dann nicht nur eine Zielvorgabe im Rücken, sondern wird von den Menschen unterstützt, die sich mit dem Ergebnis identifizieren.
Co-Creation: Der Weg, das kreative Potenzial zu heben
Kollektive Intelligenz ist erst einmal nur ein Potenzial. Mit Co-Creation wird daraus ein Prozess: Sie entwickeln Ideen gemeinsam mit anderen, in klaren Schritten und nicht zufällig.
- Am Anfang stehen die Problemstellung und gezielte Suchfragen.
- Danach folgen die Ideenentwicklung
- Im Anschluss werden die Ideen nach vorab festgelegten Kriterien bewertet.
- Dann kommt die Weiterentwicklung zu Konzepten.
Wer dabei mitmacht, bestimmen Sie. Das kann die gesamte Belegschaft sein, einzelne Abteilungen oder Standorte. Bei Bedarf öffnen Sie den Prozess für Kunden, Partner, Lieferanten oder Experten von außen. Besonders das Zusammenspiel aus internem Know-how und externem Blick bringt die Vielfalt, die kollektive Intelligenz braucht.
Für die Methodik arbeiten wir mit dem Edison-Prinzip® und der Ideen-Toolbox. Mit passenden Kreativmethoden lassen sich Gruppen gezielt zu Perspektivwechseln anregen, auch wenn sie sonst nie gemeinsam an Ideen arbeiten.
Ein Beispiel aus der Praxis: Der Wechselmonitor der SIV.AG
Wie das aussehen kann, zeigt ein Co-Creation-Projekt mit der SIV.AG. Andrea Lehmbeck, Teamleiterin Internetportale, hörte in Kundengesprächen immer wieder, dass die Online-Portale besser werden müssen. Besonders der Wechselmonitor, mit dem Neukunden von Stadtwerken und Energieversorgern den Bearbeitungsstatus ihres Vertrags verfolgen, galt als beliebt, aber veraltet.
Sie lud Kunden aus ganz Deutschland zu einem Ideenworkshop nach Rostock ein. In kleinen, wechselnden Gruppen entstanden an einem Tag über 70 Ideen, ein Schnellzeichner hielt sie live fest. Danach ging das Projekt online weiter: Auf der Co-Creation-Plattform konnten die Kunden die Ideen bewerten, kommentieren und weiterentwickeln, auch die, die nicht vor Ort waren. Am Ende lagen 73 Ideen und 4 Konzepte vor und ein Teil davon war schon in der Umsetzung.
Das Prinzip lässt sich eins zu eins auf die eigene Belegschaft übertragen. Statt Kunden laden Sie dann Kollegen aus allen Bereichen ein.
Die passenden Werkzeuge: Open Innovation Plattform und Co-Creation
Ein Workshop bringt Schwung, aber er ist nach ein, zwei Tagen vorbei. Damit die Ideen nicht versanden, braucht es einen Ort, an dem sie gesammelt, bewertet und weiterentwickelt werden. Dafür nutzen wir innolytics® ideas, die Open Innovation Plattform unseres Softwarepartners DICIS® AG (ehemals Innolytics® AG).
Was leistet die Open Innovation Plattform?
- Alle Ideen an einem Ort: Ideen werden dokumentiert, bewertet, kommentiert und mit einem frei definierbaren Status durch die Phasen vom ersten Einfall bis zur Umsetzung geführt. Ein Dubletten-Check hilft, Doppelungen zu vermeiden.
- Beteiligung rund um die Uhr: Die Plattform läuft im Browser, ist jederzeit erreichbar und hat keine Begrenzung bei der Teilnehmerzahl. Auch wer beim Workshop nicht dabei war, kann mitmachen.
- Bewertung nach Ihren Kriterien: Voting-Kriterien und Votingphasen legen Sie selbst fest. Statistik und Priorisierungstool zeigen, welche Ideen beliebt sind, welche heiß diskutiert werden und wo die Meinungen auseinandergehen.
- Potenzial sichtbar machen: Sie sehen, wer sich besonders einbringt und welche Themen die Belegschaft bewegen.
- Sicherheit: Serverstandort ist Deutschland und jede Nutzerregistrierung wird vorab geprüft.
Wie die Co-Creation-Projekte ablaufen und was Sie dabei beachten sollten, können Sie auf unserer Seite zu Co-Creation nachlesen. Wer erst einmal herausfinden will, ob die Plattform zum eigenen Vorhaben passt, kann in 60 Minuten alles Wichtige im Webinar zur Open Innovation Plattform erfahren.
Was Innovationsmanager bei Co-Creation beachten sollten
Eine klare Fragestellung:
Ohne Suchfelder und Leitplanken wird aus Ideensammeln schnell Beliebigkeit.
Moderation und passende Methoden:
Gruppen brauchen Impulse, sowohl online als auch vor Ort. Der InnoCamp® Workshop ist dafür ein bewährtes Format.
Eine Innovationskultur, in der Ideen ernst genommen werden:
Wo Ideen belächelt werden oder in der Schublade verschwinden, hilft auch die beste Plattform nichts. Wie es um Ihre Innovationskultur steht, können wir analysieren und gemeinsam gezielt weiterentwickeln.
Ehrlicher Umgang mit den Ergebnissen:
Wer um Vorschläge bittet, muss sie ernst nehmen. Henkel hat bei der Aktion „Mein Pril – Mein Stil“ erlebt, was passiert, wenn man mit dem Ranking der Kundenvorschläge nachlässig umgeht: viel Aufmerksamkeit, aber auch einen Shitstorm. Klare Spielregeln, transparente Kommunikation und passende Anreize für die Teilnehmer gehören deshalb von Anfang an dazu.
Rückmeldung an die Ideengeber:
Wer nie erfährt, was aus seiner Idee geworden ist, macht beim nächsten Mal nicht mehr mit.
Wie steht es um die kollektive Intelligenz in Ihrem Unternehmen?
Ein paar Fragen helfen bei einer ersten Einschätzung:
- Gelangen Ideen aus allen Bereichen zu den Menschen, die darüber entscheiden?
- Werden neue Ideen wohlwollend aufgenommen, auch die, die zunächst abwegig klingen?
- Gibt es Mut zur Offenheit und Raum für konstruktives Feedback?
- Weiß jeder im Team, wie er zu den Unternehmenszielen beitragen kann?
- Gehen gute Ideen verloren, weil sie niemand festhält und weiterverfolgt?
- Beziehen Sie Kunden, Lieferanten oder Experten in die Entwicklung ein?
Wenn Sie bei mehreren Fragen ins Zögern kommen, ist das kein schlechtes Zeichen. Es zeigt, wo ungenutztes Potenzial liegt.
Die drei KIs: Kollektive Intelligenz steht nicht allein
Wer „KI“ hört, denkt meistens an Künstliche Intelligenz. Für die Innovationsarbeit lohnt sich ein weiterer Blick, denn drei Intelligenzen greifen ineinander:
- Künstliche Intelligenz übernimmt Routinen, wertet Daten aus und schafft Zeit für das, was Menschen besser können.
- Kollektive Intelligenz bringt Köpfe, Erfahrungen und Haltungen zusammen. Sie ist das Thema dieses Beitrags.
- Künstlerische Intelligenz liefert Inspiration, Perspektivwechsel und den Mut zu Ungewöhnlichem.
Für Innovationsmanager heißt das: Digitale Werkzeuge entlasten, Kreativität öffnet neue Wege, und die Belegschaft macht daraus Ideen, die im Unternehmen auch getragen werden.
Wie Führungskräfte kollektive Intelligenz in ihren Teams fördern können und welche Rolle die drei KIs dabei spielen, erklärt das Baltic Competence Center, unsere Partner-Marke für die Führungskräfteentwicklung, in einem eigenen Beitrag aus Sicht der Führung.
Häufige Fragen
Was ist kollektive Intelligenz?
Kollektive Intelligenz, auch Schwarmintelligenz genannt, beschreibt geistige Leistungen, die eine Gruppe im Zusammenspiel erbringt und die ein Einzelner nicht schaffen würde. Voraussetzung sind drei Dinge: ein Ergebnis, das mehr ist als die Summe der Beiträge, dezentrales Denken und Handeln sowie Vielfalt der Perspektiven.
Worin unterscheiden sich kollektive Intelligenz und Co-Creation?
Kollektive Intelligenz ist das Potenzial einer vielfältigen Gruppe. Co-Creation ist die Methode, es gezielt zu nutzen: Beteiligte entwickeln gemeinsam Ideen, bewerten sie nach festgelegten Kriterien und führen sie zu Konzepten weiter.
Wie heben Innovationsmanager das kreative Potenzial der Belegschaft?
Sie holen Ideen systematisch ein, statt auf die Ideen aus einem Briefkasten zu warten. Dazu gehören eine klare Fragestellung, Kreativmethoden und Moderation, ein zentraler Ort für alle Ideen und eine Kultur, in der neue Gedanken ernst genommen werden. Wichtig ist auch eine Rückmeldung an alle, die sich beteiligt haben.
Wer kann bei Co-Creation mitmachen?
Das legen Sie selbst fest. Beteiligen können sich die gesamte Belegschaft, einzelne Abteilungen oder Standorte. Bei Bedarf öffnen Sie den Prozess für Kunden, Partner, Lieferanten oder Experten von außen. Je vielfältiger die Gruppe, desto besser.
Welche Rolle spielt eine digitale Plattform bei Co-Creation?
Ein Workshop liefert Schwung, ist aber schnell vorbei. Auf einer Plattform wie innolytics® ideas werden Ideen gesammelt, bewertet und weiterentwickelt, rund um die Uhr und ohne Begrenzung der Teilnehmerzahl. So können auch Kollegen mitmachen, die beim Workshop nicht dabei waren.
Was sind typische Fehler bei Co-Creation?
Häufig fehlen eine klare Fragestellung, Spielregeln oder eine Rückmeldung an die Ideengeber. Außerdem hat bei einem Co-Creation-Projekt die Moderation und Begleitung einen großen Einfluss auf den Prozess und dessen Erfolg. Teilnehmer und ihre Fragen und Anregungen sollten immer Ernst genommen werden. Reaktionszeiten unterliegen im digitalen Zeitalter einer engen Taktung und sollten, wenn realisierbar, nicht nur auf "9 to 5" von Montag bis Freitag liegen.
Fazit
Kollektive Intelligenz entsteht nicht von allein. Sie braucht Vielfalt, Offenheit und einen Rahmen, in dem Ideen gesammelt, bewertet und weiterverfolgt werden. Co-Creation liefert diesen Rahmen, und digitale Werkzeuge machen ihn für viele Beteiligte zugänglich. Als Innovationsmanager heben Sie so das kreative Potenzial Ihrer Belegschaft und gewinnen Ideen, die zu Ihrem Unternehmen passen, weil sie aus ihm kommen.
Sie möchten ein Co-Creation-Projekt starten oder wissen, ob die Open Innovation Plattform zu Ihrem Vorhaben passt? Sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gerne.